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      Krebsmedikament lässt Querschnittsgelähmte wieder gehen

      Von Gesundheits-News | Januar 30, 2011


      Für Menschen, die nach einem Unfall querschnittsgelähmt sind, bricht eine ganze Welt zusammen. Die Aussicht, für immer an den Rollstuhl gefesselt und auf fremde Hilfe angewiesen zu sein, treibt viele Betroffene in die Verzweifelung. Doch nun gibt es neue Hoffnung: Ein internationales Forscher-Team mit Wissenschaftlern aus den USA, den Niederlanden und vom deutschen Max-Planck-Institut für Neurobiologie in Martinsried fanden heraus, dass ein herkömmliches Medikament, das bis jetzt gegen Krebs eingesetzt wird, dazu beitragen kann, dass Querschnittsgelähmte nicht mehr ihr ganzes Leben auf den Rollstuhl angewiesen sind.
      Bei einer Querschnittslähmung werden Nervenstränge im Rückenmark stark gequetscht oder sogar durchtrennt. Anders als bei Schnittverletzungen im Fleisch wachsen sich jedoch die Nervenzellen des Zentralen Nervensystems (ZNS) nach einer Verletzung nicht wieder aus. Hier spielen verschiedene Faktoren eine Rolle: So setzen zum Beispiel verschiedene Stoffe im Umfeld der verletzten ZNS-Nervenzellen ein Stoppsignal für ein Auswachsen der Verletzung. Auch das Zellskelett gerät bei einer Verletzung der Nervenstränge durcheinander und verhindert so ein Wachsen der Nervenzellen. Zudem bildet sich bei einer Rückenmarksverletzung Narbengewebe, das verhindert, dass die Nervenzellen ihre ehemaligen Andockstellen nicht mehr erreichen.

      Dr. Frank Bradke vom Max-Planck-Institut untersuchte in Kooperation mit Kollegen vom Kennedy-Krieger Institut in Baltimore, der University of Miami und der Universität Utrecht die zellinternen Mechanismen, die für den Wachstumsstopp der Nervenzellen verantwortlich sind. „Wir wollen die Zellen dazu bringen, weiterzuwachsen und die Stoppzeichen in ihrer Umgebung zu ignorieren“, berichtet Bradke. Bei dieser Untersuchung fokussierten die Mediziner die Mikrotubuli. Mikrotubuli sind Proteinröhrchen, die an der Spitze einer auswachsenden Nervenzelle parallel angeordnet sind. Sie stabilisieren die wachsende Zelle und schieben ihr Zellende vorwärts – allerdings nicht bei verletzten Zellen. Nun fanden die Neurobiologen in einem Tierversuch mit Ratten heraus, dass das Krebsmedikament „Taxol“ diese Probleme positiv beeinflussen kann und somit die Regenerationshürden herabsetzt. Im Rahmen dieser Untersuchung versorgten die Wissenschaftler frische Rückenmarksverletzungen bei den Ratten mit Taxol. Schon nach nur wenigen Wochen zeigten die behandelten Nager eine deutliche Verbesserung in ihrem Laufverhalten. Taxol stabilisiere die die Mikrotubuli, so dass ihre Ordnung bestehen bleibt und die verletzten Nervenzellen wieder wachsen könne, berichten die Forscher in dem Fachmagazin „Science“. Zusätzlich verhindere das Medikament die Bildung des Hemmstoffes im Narbengewebe. Zwar werde noch immer schützendes Narbengewebe gebildet, es sei jedoch schwächer ausgeprägt und somit für die wachsenden Nervenzellen einfacher zu überwinden. „Das ist im wahrsten Sinne des Worts ein kleiner Durchbruch“, freut sich Bradke. In dem Tierversuch sind die Nager direkt nach ihrer Rückenmarksverletzung mit Taxol behandelt worden. Ein zweiter, weiterführender Versuch soll nun zeigen, ob eine Behandlung mit dem Krebsmedikament auch noch mehrere Wochen und Monate nach der Verletzung auf das Narbengewebe Einfluss nimmt.
      ( Bildnachweis: Franz Pfluegl – Fotolia.com )

      Kategorien: Allgemein, Bewegung, Krankheiten, Medizin, Wissenschaft | Kommentare deaktiviert für Krebsmedikament lässt Querschnittsgelähmte wieder gehen

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